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Messeauftritt - Messeoutfit: Sneakers statt Stilettos beim Automobilsalon in Genf.

March 18, 2018

Am 08. März 2018 wurde der diesjährige Weltfrauentag gefeiert. Zeitgleich öffnete die Geneva International Motor Show (GIMS) ihre Hallen für das Publikum. PrimeStyle hatte sich im Vorfeld um den Auftritt eines Kunden beim Autosalon gekümmert und sich an dessen Stand als Partner präsentiert. Es blieb aber auch Zeit, um mit den Augen einer weiblichen Besucherin über die Messe zu gehen und mit dem Personal an über 20 Ständen zu sprechen sowie einen Selbstversuch als weibliche Auto-Interessentin zu unternehmen. Im folgenden Blogbeitrag geht es daher nicht um die neuesten Automobilmodelle. Sondern um den Wandel im Style des weiblichen Messepersonals (Teil I) und die ernüchternde Erfahrung als Frau beim Autokauf (Teil II).

 

Hashtag "Hostess - not object" 

 

Gleich am Eingang der Palexpo wurden die Besucher*innen mit folgender Botschaft auf den Orientierungsscreens empfangen - in vier Sprachen:

 

 

 

Bekanntermaßen haben Automessen wie der Genfer Autosalon in der Vergangenheit nicht nur durch ausgestellte Boliden und Neuheiten verzückt. Auch die Models neben den Autos – oft knapp bekleidet und in Mörder-Heels – zogen die Blicke der männlichen Besucher an. Getreu dem Motto: "Sex sells". Wobei ich sagen muss – auch mein (weiblicher) Blick blieb da unweigerlich hängen. Ich fragte mich allerdings immer, wie sich wohl die Frauen in dieser Rolle fühlen mögen, so öffentlich zur Schau gestellt, von allen Besucher*innen intensiv betrachtet (um nicht zu sagen „begafft“), genau wie die Autos. Aber vielleicht denken sie sich einfach: „Glotz' Du nur – dafür finanziere ich mit dem Geld, das ich hier verdiene, mein nächstes Semester und muss nicht noch 30 Stunden pro Woche kellnern!“

 

Kompetente weibliche Car Explainer, annähernder Total-Verzicht  auf weibliche Reize. 

 

Dieses Jahr war das Bild in Genf allerdings ein komplett anderes – frappierend, wie wenig aufreizend die Hostessen gekleidet waren. Nicht nur die allgemeinen Dresscodes unterliegen also einem Wandel, dasselbe gilt offensichtlich auch für den Style auf der Automesse. Es war mir fast unmöglich, offensichtlich zur Schau gestellte weibliche Reize in den sieben Hallen zu entdecken.

 

Am Stand eines Reifenherstellers, der berühmt ist für seine Kalender, entdecke ich zwei Schönheiten, die im kleinen Schwarzen und High Heels auf einem Boliden posieren. Freundlich nicken sie, als ich frage, ob ich sie fotografieren darf. Am Eingang eines Ausstellers aus dem Bereich Fahrzeug-Personalisierung sitzt eine junge Frau in einem engen schulterfreien Minikleid auf einem Barhocker und zupft an ihrem Micro-Rock herum, der ständig noch weiter hochrutscht. Das war's dann aber auch schon (der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Outfits zwar in beiden Fällen durchaus weibliche Reize zur Schau stellten, aber auch Klasse hatten).

 

Folgt die Automobilbranche angesichts von #metoo und #pressforprogress dem Zeitgeist und verzichtet auf den Einsatz von weiblichen Eyecatchern? Scheint so, wenn man bedenkt, dass die beiden oben genannten Beispiele nur etwas mehr als 1% der ca. 170 Stände ausmachte - und wirklich nicht spektakulär offensichtlich waren. Eine gute Entwicklung, wie ich finde – nicht nur angesichts der Diskussionen um "Gender Equality". Sondern auch schlichtweg deswegen, dass in Deutschland mehr als ein Drittel der Neuwagenkäufer Frauen sind. Bin ich eine Feministin? Keine Ahnung, ob man mich so bezeichnen kann. Themen wie Emanzipation, Geschlechtergerechtigkeit und die Abschaffung von Diskriminierung liegen mir sehr am Herzen. Offensiv weibliche Effekthascherei mag ich nicht. Ich finde aber durchaus, dass Frauen im Job generell mehr Mut zur Weiblichkeit haben dürften, auch beim Outfit – wir müssen nicht die „besseren Männer“ sein.

 

Im Gespräch mit den weiblichen Hostessen: Über Outfits, Absatzhöhen und Anmach-Versuche, die kein Mensch braucht.

 

Für mich war es sehr angenehm, durch die Hallen zu bummeln und neuartige Entwicklungen wie fliegende Autos oder autonom fahrende Taxis live zu sehen. Mein Fokus lag allerdings darauf, mich mit den jungen Frauen am Messestand zu unterhalten, v.a. über die Veränderungen im Auftritt bzw. den Wandel im Style. An mehr als 20 Ständen von deutschen, italienischen, japanischen usw. Herstellern habe ich mit weiblichen Repräsentanten gesprochen – über ihr Outfit und wie dieses sich anfühlt. Über ihre Schuhe. Und über ihren Job auf der Messe.

 

Eine junge Frau erzählt von Tränen am Stand wegen schmerzender Füße, viele andere von der Freiheit, zwischen zwei verschiedenen Absatzhöhen zu wählen. Zum Thema gemacht werden auch plumpe Anmach-Versuche sowie Messe-Besucher, die doch tatsächlich fragen, warum der Rock der Hostess so lang ist (in diesem Fall war er knielang!). Eine bemerkenswert schöne Hostess bittet mich, sie nur von hinten zu fotografieren – und berichtet vage von schlechten Erfahrungen mit Fotos der Messebesucher in der Vergangenheit. 

 

Die GIMS geizt mit weiblichen Reizen - und der ein oder andere Messebesucher ist enttäuscht.

 

Mein Fazit aus allen Gesprächen: Fachlich stehen die weiblichen „Car Explainer“ ihren männlichen Kollegen am Stand in nichts nach – alle Car Explainer waren Experten für das Modell, auf das sie geschult worden waren. Und die weiblichen Hostessen konnten Ausstattung und technische Details mindestens genauso gut erklären wie ihre männlichen Counterparts. Einige Messe-Besucher müssen wohl ihre Erwartungshaltung noch überdenken und sich erst noch daran gewöhnen, dass gerade ein Wandel statt findet (und somit machen die eingangs erwähnten Hinweisschilder unter #nocarbabes auch Sinn). Die Aussteller selbst haben aber fast durchweg auf den Einsatz von weiblichen Reizen als Marketinginstrument verzichtet. Und die Hostessen, die ich gesprochen habe, sind übrigens sehr dankbar dafür.

 

Dass in einem anderem Bereich durchaus  noch Nachholbedarf für die Automobilbranche besteht, sollte ich gleich am nächsten Tag erfahren (dazu mehr in Teil II dieses  Blogartikels). Hier eine Auswahl verschiedenster Outfits vom Standpersonal auf der GIMS (für alle Fotos habe ich im Vorfeld die Zustimmung der entsprechenden Damen und Herren eingeholt):

 

Die Messe-Outfits: Unterschiedlichste Styles von elegant über sportlich bis hin zu trendy: 

 

 

 

 

 

Teil II: „Frauen sind das nächste China“ für die Automobilhersteller?

Verkäufer und die unbekannte Zielgruppe „Frau“ 

 

Zur Vorbereitung meiner eigenen Standtätigkeit bei der GIMS hatte ich etwas intensiver recherchiert. Und siehe da: Zahlreiche Studien belegen, dass Frauen wie ich zur Zielgruppe der Automobilhersteller gehören (müssten). Laut Daimler-Chef Dieter Zetsche bin ich sozusagen - um in seiner Wortwahl zu bleiben - "das nächste China" für die Autoindustrie. Bei den jüngeren Generationen hingegen, so wird kolportiert, verliert das eigene Auto immer mehr an Reiz.

 

Ein ernüchternder Selbstversuch 

 

Diese Hintergrundinformation gibt mir ein gutes Gefühl als Frau auf der Automesse. Erfreut angesichts meines Stellenwertes für die Autoindustrie begebe ich mich am nächsten Tag an der Seite meines Mannes, der mich kurz auf der GIMS besucht, an den Stand eines britischen Premium-Herstellers. Ich spreche einen der männlichen Verkäufer in Anzug und Schlips an, der sich freundlich zu uns gesellt und allgemeine Infos zum Modell gibt. Dabei ist sein Blick - mit den wenigen Ausnahmen, in denen ich eine Frage stelle - stets auf meinen Mann gerichtet. Hm. Drei Minuten später öffnet der Verkäufer die Fahrertür der Limousine und bittet meinen Mann, einzusteigen - ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Minutenlang stehe ich wie bestellt und nicht abgeholt auf der Standfläche des Automobilherstellers während die zwei Männer im Wagen sitzen, an Knöpfen drehen und angeregt diskutieren. Ich bin quasi nicht vorhanden.

 

Frauen entscheiden fast immer beim Autokauf mit

 

Weiß der Verkäufer mittleren Alters denn nicht, dass 80%  aller Kaufentscheidungen beim Thema Auto von Frauen beeinflusst ist? Wieso schenkt er mir dann ca. 20% seiner Aufmerksamkeit beim Kennenlern-Smalltalk und exakt 0%, als er mit meinem Mann Details bespricht? Für diese Frage werde ich später versuchen, bei meinen Standkollegen eine Antwort zu bekommen. Vorher frage ich ihn noch etwas ernüchtert nach dem Basispreis des Fahrzeugs und der ausgestellten Zusatz-Ausstattung. Sehr freundlich nennt er mir den Preis – er hat überhaupt nicht gemerkt, dass ich bei ihm kein Fahrzeug kaufen würde. Einfach deswegen, weil er es trotz aller professionellen Freundlichkeit nicht für nötig befunden hat, mich als Frau in die Diskussion gleichberechtigt mit einzubeziehen. Ist das ein vorschnelles Urteil von meiner Seite? Mag sein, der erste Eindruck ist nicht immer gerecht. In diesem Fall kann er aber auch nicht mehr revidiert werden – weil ich den Verkäufer schlichtweg nicht mehr sehen werde.

 

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass dieser eigentlich sehr professionelle Verkäufer keine exotische Ausnahme war. Dieses Erlebnis deckt sich ziemlich genau mit den Erfahrungen, die ich persönlich in den letzten 20 Jahren beim (Mit-)Kauf verschiedener Autos für unseren Haushalt gemacht habe (insgesamt acht an der Zahl). Wenn wir im Automobilclub auf dieses Thema zu sprechen kommen, erzählen mir die weiblichen Club-Mitglieder ähnliche Geschichten. Es ist wirklich schade, dass es in der heutigen Zeit nach wie vor Verkäufer gibt, für die die Frau offensichtlich kein ernst zu nehmender Kunde ist. Bemerkenswerte Ausnahmen gibt es aber auch. Und beim letzten Autokauf bin ich fast 50 km zum Autohaus gefahren, um mich von Frau Purps beraten zu lassen – obwohl ein Händler derselben Marke direkt bei mir vor der Tür ist.

 

Die Frage nach dem „Warum“: Unwissenheit, Unsicherheit, Unbehagen?

 

Zurück am Stand konnten meine Standkollegen die Geschichte übrigens - intuitiv - richtig zu Ende erzählen, gerade als ich meine Ausführungen angefangen hatte mit: „Also ich war gerade mit meinem Mann bei…“

 

Auch Gründe für das mir unverständliche Verhalten des Verkäufers haben sie mir genannt, die sich wie folgt zusammen fassen lassen: Erstens: Unwissenheit oder schlichtweg Unsicherheit im Umgang mit der "Zielgruppe Frau". Zweitens: Unbehagen, wie der männliche Begleiter reagieren könnte, wenn die Frau einbezogen wird.

 

Ich kann diese Argumente nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Kein Mensch erwartet doch, dass der männliche Auto-verkäufer wie Mel Gibson im Film „Was Frauen wollen“ die Gedanken der Frauenwelt lesen kann (ja, ich stimme zu, dass für eine Frau andere Dinge Priorität beim Autokauf haben). Aber dass sich ein Verkäufer auf die Zielgruppe „Frau“ einstellt, finde ich nicht zu viel verlangt...es gibt doch nun wahrlich einige aussagekräftige Studien zum Thema. Viele (Verkaufs-)Mitarbeiter werden intensiv geschult, wenn sie mit Kunden aus anderen Kulturen in Kontakt stehen. So boomen beispielsweise Seminare zu „Doing Business in China“. Vielleicht sollte die Automobilindustrie ihre Berater auch auf die fremde Kultur „Frau“ vorbereiten. Ich würde mich als Testperson zur Verfügung stellen. Versprochen.

 

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